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10/24/23:27 | Geschichte: Das Bärendorf

Es war einmal ein Dorf, das an einem Wald lag. Das Dorf hieß Bärendorf. Wie ist man auf diesen Namen gekommen? Ganz einfach: Da im angrenzenden Wald Bären leben. Und es ist ein Dorf. Genauer gesagt ist der Wald ein Bärenwald. Doch Bärenwalddorf hätte doof geklungen und so beließ man es bei Bärendorf. Ein großer Fehler, wie sich bald zeigte. Als die Bären das Ortsschild sahen, wollten sie den Wald verlassen und im Dorf leben. Wenn man die Wahl zwischen einem Bärenwald und einem Bärendorf hat — wer wollte schon für immer und ewig im Bärenwald leben? Auch der Bär hat keine Lust, stets im Wald nach Nahrung suchen zu müssen. Warum nach Beeren suchen, wenn man einfach in Menschenhäuser klettern und köstliche Menschen essen kann? Doch die Menschen haben von den Bärenplänen Wind bekommen. Sie suchten nach einer schnellen Lösung für das Problem. Bald kam jemandem der geniale Einfall, den Ort umzubenennen. Doch Bärenwalddorf wäre zu lang gewesen, wie gesagt. Der geniale-Einfall-Habende hatte aber schon eine bessere Idee: Man könne die Punkte von den Ortsschildern entfernen. Dies wurde sofort getan und es hatte einen weiteren Vorteil: Die Wolfsburg wurde stets von Wölfen heimgesucht. Um der Belagerung ein Ende zu setzen, entsandte man einen Boten mit den nun nicht mehr benötigten Punkten. Leider verlor er auf dem Weg dorthin alle seine Punkte, was teilweise abscheuliche Ortsnamen zur Folge hatte. Die Wolfsburg musste also zu anderen Mitteln greifen — aber dazu ein anderes Mal mehr! Der Plan vom ehmaligen Bärendorf ging auf: Als die Familie Bär eines Mittags Essen holen wollte — sie haben schon geeignete Häuser ausgekundschaftet — blieben sie voll von Schrecken am Ortseingang stehen. Bären sind korrekte Menschen — und haben große Demut vor Schildern. Aus der Not heraus entschied sich die Familie Bär, zu ihren Verwandten in das weit entfernte Bärstadt zu ziehen. Dort wurde ein verwildertes Grundstück in Waldnähe erspäht, das außerdem von einem alten Mann in einem blauen Bauwagen bewohnt wird. Bald war dort dann Schluss mit Lustig — wir wissen ja, warum! Ende gut, alles gut für das ehmalige Bärendorf? Leider weit gefehlt: Die sogenannte gemeine Schildlaus hat sich nämlich bis dorthin verbreitet. Die kleinen Tierchen befallen — wie schon der Name nahelegt — Schilder. Und sie sind schwarz. Eines Tages, als ein Bär im Bärenwald seine Verwandten besuchen wollte, fand er sie nicht. Wir wissen ja, warum: Sie sind nach Bärstadt gezogen und bewohnen dort einen Bauwagen, der ihnen jedoch inzwischen von den Füchsen streitig gemacht wird. Doch unser Gast-Bär wusste davon nichts. Er hatte solch einen Hunger! Er hat sich auf den großen Brei von Papa-Bär gefreut. Ob heiß oder kalt — das war ihm völlig egal! Und er hat sich auf Mama-Bärs weiches Bett gefreut. Besonders, wenn Papa-Bär dabei für mehrere Stunden außer Haus war. Doch da war kein Haus im Wald — zumindest kein Bärenhaus! Als er sich auf den Heimweg machen wollte, sah er das Ortsschild. Bärendorf! Die gemeine Schildlaus bildete zwei täuschend-echt-aussehende Punkte über dem "a". Gast-Bär hatte keine Ahnung von Schildläusen und so schloss er daraus, dass hier Bären im Dorf leben. Und so nahm das Unheil seinen Lauf. Zunächst möchte ich die Bären etwas in Schutz nehmen: Wisst ihr, bei den Bären sehen Häuser anders aus. Sie servieren ihr Essen in Betten und sie schlafen unter Esstischen. Und so schlief unser nun gut gesättigter Gast-Bär unter einem Tisch. Leider wurde er bald aus dem Schlaf gerissen und dann wurde versucht, ihn jemandem aufzubinden, was zum Glück nicht geklappt hat. Die gemeine Schildlaus zog weiter und wenn sie nicht gestorben ist... Siehe Munchen.