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8/21/9:29 | Geburtstage und Inflation

Ich beantworte "Warum"-Fragen ungern mit "Ich bin ein"-Antworten, sondern erkläre es lieber inhaltlich. Das wird in der Regel viel besser aufgenommen und soll Schubladendenken bei anderen erschweren. Ich habe solche Haltungen nicht unhinterfragt von meinen Eltern übernommen, sondern schon früh selbst verstanden und gefestigt. Die Tradition, Geburtstage zu feiern, hat heidnische/abergläubische Ursprünge und fällt klar in die selbe Kategorie wie Astrologie, Kartenlegen oder Glaskugellesen, also Wahrsagerei. Nicht nur ist Wahrsagerei eine große Täuschung, die einen nur weiter von der Wahrheit abbringen kann (da sie auf Lügen aufbaut, die schon im Namen stecken), sie ist auch eine große Zeit-, Geld- und Kraftverschwendung, also eine Ablenkung. Ich lehne es abgesehen davon komplett ab, Spaß und Freunde oder Trauer durch Kalenderdaten vorprogrammieren zu versuchen. Besonders die weltliche Tradition, sich nach Kalender zu beschenken, ist nur ein verdeckter Handel, der die "Liebe" zueinander offenbaren soll. Ein Handel deswegen, weil Gegenleistung erwartet wird. Liebe dadurch zeigen, unnötig Geld auszugeben und Dinge zu tauschen, die man auch schon früher hätte tauschen können? Ich schenke gern und wenn ich die Gelegenheit sehe, jemandem etwas zu übertragen, das ihm mehr nützt als mir, so sehe ich nicht nur keinen Anlass, erst den Kalender (also die Himmelsformationen, also Götzen) um Erlaubnis zu bitten, ich käme mir geradezu bescheuert vor, da die Übergabe damit ihren eigentlichen Sinn verfehlt hat. Wir sollten Gegenstände immer nur als Mittel betrachten und nicht als Selbstzweck. Wenn jemand etwas braucht, dann soll er es sofort bekommen. Wenn er es nicht braucht, kann man es ihm anbieten, muss aber davon ausgehen, es zu behalten. Abgesehen von dem Schenken und Feiern stören mich noch die Glückwünsche. Impliziert nicht das nun explizite Wünschen von Glück, dass man es einem vorher nicht wünschte? Ich setze sogar voraus, dass Leute, die mir wohlgesonnen sind, mir immer Glück wünschen, ohne das sagen zu müssen. Ich gehe sogar noch weiter: Ich wünsche jedem Glück! Ich wünsche sogar einer Ameise, einen Zuckerkorn zu finden! Und es kommt bei Glückwünschen noch schlimmer: Viele kommen nicht vom Herzen sondern sind nur Teil des zuvor erwähnten Handels. Denn das Geburtstagskind erwartet natürlich auch, beglückwunscht zu werden und würde ins Grübeln kommen, von einem nicht explizit beglückwunscht zu werden. Hier wirkt das Phänomen "Inflation": Der Wert von Wohlgesonnenheit ist durch stetige Übertreibung (aus Kompensation von Oberflächlichkeit) so weit gesunken, dass der Verzicht auf Äußerung offensichtlicher Wünsche als negativer Akt empfunden wird. Dies geht schon längst so weit, automatisierte Glückwünsche zu verschicken, an seine Kunden zum Beispiel. Ich weiß, dass es andere irritiert, wenn ich ihnen nicht meine Glückwünsche ausspreche oder sie selbst nicht hören will, aber es ist wichtiger, das richtige zu tun, als sich an zu passen. Ich tue nur das, wovon ich überzeugt bin, ansonsten handle ich gezwungen. Gezwungen handelte ich übrigens auch, wenn ich mich für Glückwünsche bedanken würde, also täte man mir einen großen Gefallen, mich nicht zu beglückwünschen.