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5/27/15:06 | Dramatischer Abklatsch: Oh, ich armer Sünder!

Ich höre gerade zufällig BWV 478. Wer das hier liest, muss das auch hören. Mir wird wieder klar, wie viele Probleme ich schon verursacht habe. Wie viele Leute ich genervt habe. Es gibt sicherlich eine Reihe an Leuten, die ich verstoßen habe. Ich bin so kompliziert. Ich bin so neugierig. Ich kriege nicht genug. Passend zu dem Lied fällt mir die schmerzende Beule ein, die ich seit langer Zeit schon habe. Ist sie der Vorbote meines Endes? Wofür werde ich gelebt haben? Um am Zaun der Wirklichkeit gerüttelt zu haben? Was hat es gebracht? Ich traue mich kaum, dankbar denjenigen zu sein, die mich noch nicht verstoßen haben. Ich zwinge ja nahezu jeden, der mir zu nah gekommen ist, mich für immer zu meiden. Dankbarkeit meinerseits könnte nämlich weiteren Druck ausüben. Er könnte erpressen. Bestechen. Ich will jedem meine Wertung dieser Haltungen ersparen. Es ist sowieso zufällig. Ein Mensch ist nicht mehr als ein Irrtum, in Zellen gegossen. Ein wandelnder Irrtum. Warum sollte man für irgendetwas dankbar sein? An was richtet sich Dank? Von was kommt Dank? Was kann Dankbar sein und was kann es am Ende bedeuten? Nichts, denke ich. Es sind Worte. Worte, die sich selbst rechtfertigen. In Situationen wie dieser bin ich auf angenehme Art gleichgültig. Das irdische ist mir nicht egal. Ich stecke nicht den Kopf in den Sand. Ich denke nichtmal daran, dieser Welt irgendwie zu entfliehen. Es macht mich nur gelassen. Denn all meine Tyrannei kann am Ende nicht mehr beschädigen als mich selber und schlimmstenfalls meine Welt. Doch es ist nur eine beliebige Welt. Eine von vielen. Und irgendwann werde ich lange tot und vergessen sein. Und all die Probleme meines Daseins werden ebenso vergessen sein. Missverstehen Sie mich nicht. Ich bin weder lebensmüde noch depressiv. Ich habe nur erkannt, dass wir in einer Scheinwelt leben. Es gibt keinen absoluten Sinn. Es gibt keinen absoluten Wert. Nichts ist absolut. Dieses Universum könnte sich von jetzt auf gleich in Luft auflösen und es wird niemanden geben, der dies beweinen würde oder gar könnte. Ja, dieses rein materielle Universum könnte ebenso in einer reinen Simulation stattfinden. Was unterscheidet das physische Atom vom virtuellen Atom, wenn sie sich zueinander gleich verhalten? Richtig, es gibt keinen Unterschied. Die Realität ist eine Theorie. Ein Beispiel. Eine Möglichkeit. Was ist, wenn es dieses Universum nur gibt weil es es so geben könnte? Genauso existiert ja die 2 nur weil es die 1 gibt und 1+1 2 ist. Das falsche gibt es nur, weil es das richtige gibt. Das dunkle nur durch das helle. Es ist zweifelsohne völlig egal, was "echt" ist und was nicht. Aber diese Erkenntnis nützt uns nichts. Was nützt es dem Hungernden, zu wissen, dass sein Hunger nur ein Traum ist? Es bleibt ein Hungernder. So profan ist unser Dasein. So profan ist all dieses Gefrage nach dem Sinn und nach dem Zweck. Am Ende sind wir nur das, was wir sein wollen. Denn das, was wir nicht wahrhaben wollen, wird uns nur in Form der Überraschung einholen können -- genau dann, wenn sich dessen Wirklichkeitsausstrahlung nicht mehr verbergen lässt. Ich freue mich auf den Tag, an dem ich endlich ruhen kann -- weil mir keine andere Möglichkeit mehr bleibt. Wenn ich zur Ruhe gezwungen werde; sei es vom Tod oder von einem starken Arm um meinen Hals. Und jetzt weiter mit den Schulaufgaben. 😁